•20. September 2010 •
Viel hab ich darüber gelesen, lange zweifelte ich ob es die horrenden Preise wert ist. Heute kam es. Aus England. 2 Wochen war es unterwegs. „Conkers Bad Fur Day“. Schwer liegt es in der Hand. Kein Wunder, es ist eines von nur 2 verkauften 512 mbit N64-Module. Da passt viel drauf. Und es ist auch viel drin…

Im hübsch animierten Intro feiert Conker seinen 21. Geburtstag mit ein paar Kumpels und beamt sich brutalst ins Aus. Dementsprechend verläuft der Heimweg bei strömenden Regen nicht wie erwünscht; er landet bei einer seinerseits dem Alkohol sehr zusprechenden Vogelscheuche, die ihm die im Rausch verloren gegangenen Bewegungen wieder erklärt. Mit „erklärt“ meine ich in hörbaren Worten, was bei N64-Spielen eine extra Erwähnung wert ist Die Programmierer griffen dabei auf den wohlbekannten mp3-Codec zurück, der die irrwitzigen Figuren zum Leben erweckt. Gesprochen wurden diese im übrigen von den Entwicklern selbst, wobei sowohl alle weiblichen Charaktere als auch fast alle männlichen von jeweils nur einer (!) Person vertont wurden. Und wie! Selten hab ich so geniale Stimmen gehört, so lustig und zur Figur passend. Zurecht hat Conkers Bad Fur Day einen Audio-Award gewonnen.

Aber zurück zur Geschichte: nach Conkers ersten tappsigen Schritten und einer genommenen Kopfsschmerztablette findet er sich langsam in der verrückten Welt voller liebestoller Bienen, vollbusiger Sonnenblumen, schimpfenden Mistkäfern und bebrillten Katzenfischen zurecht. Die Grafik besticht dabei mit Echtzeitschatten, endloser Weitsicht, klaren Texturen und den bereits erwähnten herrlichen Animationen. Sie brilliert auch in zahlreichen Zwischensequenzen, die die aberwitzig-hirnrissige Story vorantreiben; eine Story um einen König, der seinen Professor anschickt, seinen Milch-Schemel zu reparieren, dem ein Bein fehlt, woraufhin der Gelehrte die landesweite Suche nach einem Eichhörnchen lostritt, dessen Schwanz angeblich genau die Lücke zwischen Boden und Tischplatte füllt…

Allen voran lebt Conkers Bad Fur Day für mich aber von der bitterbösen Aufmachung, die nicht mit Schimpfwörten, obszönen Gesten und ekligen Akten geizt. Oh ja, es wandelt an der Grenze zur Geschmacklosigkeit, aber sie bleibt meiner Meinung nach doch bestehen. Wobei das „Feuerteufelauspinkeln“ schon auf Messers Schneide steht…
Vorzüglich sind die Bosskämpfe, sofern ich sie schon erlebt habe. Oftmals gilt es den wunden Punkt der Bösewichter auszumachen, um diesen dann gnadenlos auszunutzen. Als bisheriges Highlight erwies sich hier der „Mighty Poo“, der in einem riesigen von Mistkäfern errichteten Scheißehaufen sein Unwesen trieb.

Conkers Bad Fur Day ist einfach eine Perle in der N64-Spielelandschaft, die seinesgleichen sucht. Es wagt das Unbekannte, es traut sich einen festen Platz unter den ansonsten recht zuckersüßen Jump´n Runs zu ergattern. Jeder der seine schmierigen Griffel irgendwie an dieses Spiel bekommen kann, soll es verdammt noch mal tun! Es hat es verdient.
zolch
PS.: Die Bewertungen laut Wikipedia: Gamepro 5 of 5, Game Critics 10 of 10, Game Revolution A+, Gamespot 10 of 10, IGN 10 of 10, Electronic Game Monthly 10 of 10
Veröffentlicht in Games, Nostalgisches
Tags: bad fur day, berrie, conker, evil, kult, n64, nintendo, poo, squirrel